bbw-Absolventin Raumausstattung

Keine Angst mehr vorm Arbeitsleben

Portrait der erfolgreichen bbw-Absolventin Jasmin Ziemann hinter einem Verkaufstresen.

Niemand hätte geglaubt, dass Jasmin Ziemann unter Angststörungen litt: Die Gymnasiastin war beliebt und hatte viele Freunde. Dass der Grund für ihre schlechten Noten eine Depression war, ahnte niemand. „Jeden Tag meine Angst zu bewältigen, war unglaublich anstrengend“, sagt die heute 31-Jährige. Irgendwann konnte sie nicht mehr und musste die Schule kurz vor dem Abitur aufgeben. Was dann folgte, war ein Weg, der die intelligente junge Frau für mehrere Jahre in eine Behindertenwerkstatt führte, bevor sie im bbw Südhessen schließlich die Förderung erhielt, die sie wieder fit für den Alltag – und damit für das Berufsleben gemacht hat.

Krank vor Angst – so verlässt Jasmin Ziemann das Gymnasium und geht in eine psychosomatische Klinik. Nur unzureichend gestärkt kommt sie zurück und beginnt eine Ausbildung zur Sozialassistentin. Doch die damals 19-Jährige sieht sich den Herausforderungen nicht gewachsen – die Angstzustände weiten sich aus. Mitten in der Ausbildung erleidet sie einen totalen Burnout.  Nichts geht mehr. Das alltägliche Leben rückt in weite Ferne. Psychiatrie und Tagesklinik leisten Nothilfe, fangen die junge Frau aus Egelsbach aber nicht wirklich auf.

Wie es weitergehen kann, bleibt zunächst unklar; bis die zuständige Reha-Beratung ihr eine Behindertenwerkstatt empfiehlt. Für Jasmin Ziemann ein Schock. Doch der Aufenthalt in der Werkstatt wird zur hilfreichen Brücke. Rund vier Jahre bleibt sie dort. Vier Jahre, in denen sie wieder alltägliche Dinge wie sich anzuziehen lernt. Aber auch vier Jahre, in denen sie manchmal Stunden zu spät kommt, weil der Weg zur S-Bahn eine zu große Hürde darstellt.

Während die Werkstatt für andere Endstation ist, fühlt sich die Mittzwanzigerin fehl am Platz.  Irgendwann hört Jasmin Ziemann vom Ausbildungsangebot im bbw Südhessen. Hier erahnt sie für sich die Perspektive, eines Tages doch noch in ein normales Arbeitsleben wechseln zu können und beginnt eine durch die Frankfurter Arbeitsagentur geförderte Ausbildung als Raumausstatterin. Und sie behält Recht: „Das bbw Südhessen hat mir genau die Voraussetzung verschafft, die ich brauchte, um meine Angststörung in den Griff zu bekommen“, sagt sie im Rückblick. Eine wichtige Rolle hat dabei das Wohndorf gespielt, in dem sie unter pädagogisch-fachlicher Anleitung lernt, ihren Alltag zu bewältigen.

Dass sie sich in den drei Jahren im bbw Südhessen zu einer stabilen Persönlichkeit entwickeln kann, hängt aber auch mit der kultur-und freizeitpädagogischen Förderung zusammen. „Eigene Begabungen und Fähigkeiten zu entdecken, hilft das Zutrauen in sich selbst zu stärken“, hat sie erfahren. Im bbw Südhessen nimmt sie Gesangsunterricht und erprobt sich als Moderatorin. Diese Aktivitäten, bei denen sie intensiv von ihrer Freizeitpädagogin begleitet wird, sind für sie unverzichtbar. Anders, so sagt sie, hätte sie die Ausbildung niemals durchgestanden. Und auch nachdem sie erfolgreich ihren Abschluss als Raumausstatterin gemacht hat, hält sie noch regelmäßigen Kontakt zu der bbw-Pädagogin. „Sie ist für mich bis heute eine wichtige Ansprechpartnerin und hat mich auch in der nicht ganz einfachen Phase beim Wechsel in den Beruf begleitet“, erzählt Jasmin Ziemann.

Ganz nahtlos hat es zwar nicht geklappt, aber inzwischen arbeitet Jasmin Ziemann in einem Geschäft für Wohnaccessoires – mit unbefristetem Arbeitsvertrag. „Hier mache ich alles: Kasse, Kundenberatung und vor allem die Dekoration“, erzählt sie. Die Arbeit macht ihr große Freude – und stärkt sie. „Meine Angst, den Anforderungen des Berufslebens nicht gewachsen zu sein, habe ich verloren“, freut sie sich und sagt: „Meine Arbeit ist mein täglicher Erfolg!“

Texterstellung Mitte 2013: Astrid Jaehn

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