Digitale Spurensuche – Azubis des bbw Südhessen entwickeln digitalen Rundgang zu Karbener Stolpersteinen
Wie kann man Geschichte erlebbar machen – und junge Menschen für die Schicksale der Opfer des Nationalsozialismus sensibilisieren? Zwei Auszubildende aus dem IT-Bereich des Berufsbildungswerks Südhessen (bbw) haben gemeinsam mit der Initiative „Stolpersteine in Karben“ einen digitalen Rundgang erstellt. Mithilfe der App „Actionbound“ können Interessierte nun auf Spurensuche gehen und mehr über das Leben früherer Karbener Mitbürgerinnen und Mitbürger erfahren, die in der NS-Zeit verfolgt wurden. Gerade rund um den 9. November, den Gedenktag an die Reichspogromnacht, macht das Projekt deutlich, dass das Erinnern keine einmalige Aufgabe ist, sondern Teil unseres Alltags bleibt.
„Wir möchten, dass die Geschichte hinter den Stolpersteinen lebendig bleibt“, sagt Hartmut Polzer, Vorsitzender der Initiative Stolpersteine in Karben. „Viele Menschen gehen täglich an diesen kleinen Messingtafeln vorbei, ohne sie bewusst wahrzunehmen. Der vom bbw Südhessen gestaltete Actionbound lädt dazu ein, genauer hinzuschauen und sich mit der Stadtgeschichte auseinanderzusetzen.“ Der interaktive Rundgang führt zu ausgewählten Stolpersteinen in Karben. An jeder Station erfährt man mehr über die Menschen, die hier einst lebten: Jüdinnen und Juden, aber auch politisch Verfolgte, die verjagt, deportiert oder ermordet wurden. Fotos, historische Texte und kleine Quiz-Elemente machen den Rundgang zu einem lehrreichen und eindrücklichen Erlebnis.
Erstellt wurde der digitale Rundgang von den IT-Auszubildenden Vincenzo Pipitone und Benjamin Föll im Rahmen eines Ausbildungsprojekts zur Demokratieförderung im bbw Südhessen. „Während der Arbeit am Bound habe ich viel über die Menschen gelernt, die hier in Karben gelebt haben – und darüber, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen, damit sich so etwas nie wiederholt“, sagt Vincenzo Pipitone. Und Benjamin Föll ergänzt: „Wir mussten uns nicht nur technisch mit der App und der Struktur beschäftigen, sondern auch damit, wie man sensible Themen respektvoll vermittelt. Das war eine besondere Erfahrung.“ Ihr Ausbilder Sebastian Kromm, bbw Freizeitpädagogin Andrea Egly und Rainer Gilbert als begleitende Honorarkraft sehen das Projekt als Paradebeispiel für praxisnahes Lernen: „Unsere Auszubildenden haben gezeigt, wie digitale Kompetenzen und gesellschaftliche Verantwortung zusammengehen können. Sie haben ein Produkt geschaffen, das die lokale Erinnerungskultur stärkt – und zugleich zeigt, dass junge Menschen Geschichte nicht vergessen, sondern daraus lernen.“
Der Rundgang kann kostenlos über die App „Actionbound“ gestartet werden. Ideal ist er für Schulklassen, Jugendgruppen oder Gemeindeinitiativen, die sich mit dem Thema Nationalsozialismus und lokaler Geschichte auseinandersetzen wollen. Aber auch Einzelpersonen und Familien sind herzlich eingeladen, den Rundgang selbstständig zu erkunden. Der Bound führt nicht zu allen 61 Stolpersteinen, die derzeit in Karben verlegt sind – das wäre zu umfangreich für eine Tour. Eine Übersicht über alle Steine und die dazugehörigen Biografien findet sich auf der Webseite der Initiative Stolpersteine in Karben www.stolpersteine-in-karben.de. „Der digitale Rundgang ist ein Angebot, sich eigenständig mit Geschichte auseinanderzusetzen“, sagt Hartmut Polzer. „Er zeigt, dass Erinnerungskultur lebendig sein kann – digital, barrierearm und immer zugänglich.“
Und so funktioniert es: App „Actionbound“ im App-Store herunterladen, in der Suche „Stolpersteine Karben“ eingeben, den Startpunkt am Friedhof in Groß-Karben aufsuchen und den Spuren folgen.
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