bbw-Absolventin Bürokauffrau

Die freundliche Dame am Empfang

Portrait der erfolgreichen bbw-Absolventin Lina Müller an einem Schreibtisch.

„Diakonisches Werk Wetterau. Guten Tag, Sie sprechen mit Linda Müller.“ Die Stimme am Telefon ist offen, sympathisch und frisch. Und wenn sie fragt: „Was kann ich für Sie tun?“, spürt man das Interesse am Gegenüber. Wer heute mit der jungen Frau am Empfang der Diakonie in Friedberg spricht, kann sich nicht vorstellen, dass sie sich noch vor ein paar Jahren nicht getraut hätte, ans Telefon zu gehen.

Manchmal staunt Linda Müller selbst, wie sehr sie sich in den letzten Jahren verändert hat. „Bevor ich in das bbw Südhessen kam, um dort eine Ausbildung zu absolvieren, hatte ich Angst vor Menschen und unbekannten Situationen“, erinnert sich die heute 28-Jährige. Mit 18 Jahren hatte sie die 11. Klasse ohne Abgangszeugnis verlassen, weil es ihr in dieser Zeit psychisch nicht gut ging. Wie es danach für sie weitergehen sollte und welcher Ausbildungsberuf für sie der richtige sein könnte, wusste Linda Müller nicht. „Vielleicht eine Arbeit in einem Büro?“, dachte sie und begann sich zu bewerben. Vier Jahre lang. „Am Ende bewarb ich mich ganz kunterbunt – einmal auch als Tierpflegerin“, berichtet sie.

Es waren schwierige Jahre für die junge Frau. Ihr ging es schlechter, sie wurde immer passiver. Verstärkt wurde diese  Entwicklung durch die Tatsache, dass Linda Müller in dieser Zeit zu keinem einzigen Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. „Ich dachte, ich kann einfach nichts und niemand möchte mich haben.“ Zum Schluss traut sich die junge Frau selbst nichts mehr zu.

Durchbruch im bbw Südhessen

Um sie auf ihrem Weg zu einem Ausbildungsplatz zu unterstützen, riet ihr die Arbeitsagentur 2005 zu einer Ausbildung im bbw Südhessen. „Aber ich wollte zunächst nicht dorthin“, erinnert sich Linda Müller, „schließlich war alles ganz fremd für mich und ich fürchtete mich vor dem Neuen.“ Doch schon bei ihrem ersten Besuch in Karben ist alles anders. „Ich hatte sofort einen positiven Eindruck vom Berufsbildungswerk“, erinnert sich Linda Müller. „Es war heimelig, nicht so unpersönlich, wie ich vermutet hatte.“ Vor allem aber erlebte sie im bbw Südhessen zum ersten Mal, dass ihr etwas zugetraut wurde. „Sie schaffen das, Frau Müller“, war ihre Ausbilderin dort von Anfang an überzeugt. Das gab den Ausschlag.

Während der gesamten Ausbildung  konnte sich Linda Müller auf ihr Reha-Team verlassen: Ausbilder/-innen, Casemanager/-innen, Betreuer/-innen im Wohndorf genauso wie die Berufsschullehrer/-innen standen ihr zur Seite. So konnte sie langsam Ängste abbauen. Linda Müller gewann Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Im bbw Südhessen lernte sie, ihre Kontaktscheu abzulegen und aktiv auf andere Menschen zuzugehen.

Drei Jahre lang absolvierte sie die Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Auch wenn sie vor der Abschlussprüfung große Angst hatte,  so beendete sie ihre Ausbildung doch erfolgreich. „Meine Ausbilder und Lehrer haben immer an mich geglaubt“, sagt Linda Müller.  Und sie selbst spürte: „Das ist der richtige Beruf für mich!“ Darin hatten sie auch die drei Praktika bestätigt, die sie während ihrer Ausbildung leistete. „Du machst das toll!“, hörte sie dort häufig. 

Zufriedener Arbeitgeber, zufriedene Besucher

Das findet übrigens auch ihr heutiger Arbeitgeber. Eckhard Sandrock, Leiter des Diakonischen Werkes Wetterau und seit zwei Jahren ihr Chef, ist sehr zufrieden mit seiner engagierten Mitarbeiterin. „Frau Müller hat sich ganz hervorragend eingearbeitet“, lobt er. „Ursprünglich war sie nur für den Empfangs- und Telefonbereich eingeplant, aber inzwischen haben sich nicht nur ihre Zuständigkeiten erweitert, sondern sie trägt auch die Verantwortung für diesen Bereich.“

Dass ihr die Arbeit große Freude bereitet und sie den Umgang mit Menschen liebt, spüren auch die Besucher und Anrufer des Diakonischen Werkes. „Es ist toll, wie sich mein Leben durch das bbw Südhessen verändert hat“, strahlt Linda Müller und wünscht sich, dass es im Beruf weiter so gut läuft wie bisher.

Texterstellung Mitte 2013: Astrid Jaehn  

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