Mittendrin

Integration durch Ausbildung

Portrait des erfolgreichen bbw-Absolventen Sayed Hakimzad

Im Portrait: OQI-Teilnehmer Sayed Fawad Hakimzad

Früher studierte Sayed Hakimzad Architektur. In Deutschland suchte er sich ein neues Ziel und fing an zu lernen: die Sprache und wie man Bewerbungen schreibt. Das OQI-Programm hat ihn dabei unterstützt, und bei der Samvardhana Motherson Group nutzt er jetzt seine Chance: als Azubi zum Industriekaufmann.

Man kann die Dinge so sehen: Sayed Hakimzad ist ein Flüchtling, der mit null Deutsch-Kenntnissen aus einem weit entfernten Land gekommen ist, zu dem vielen Leuten nicht mehr als Krieg, Taliban und Burka einfällt. Man kann die Dinge aber auch so sehen: Sayed Hakimzad ist ein junger Mann, der Architektur studiert und nebenbei als Verkäufer und Modell gejobbt hat und mit dem unbedingten Willen aus Afghanistan nach Deutschland geflohen ist, sich hier ein neues Leben aufzubauen.

Die Samvardhana Motherson Group hat sich für die zweite Sichtweise entschieden – und dem 24-Jährigen im Herbst 2017 eine Ausbildungsvertrag zum Industriekaufmann gegeben. „Bei uns arbeiten 70 Frauen und Männer aus 15 Nationen, wir haben keine Berührungsängste. Auch der Flüchtlingsstatus von Herrn Hakimzad spielte für uns keine Rolle“, erläutert Elina Schulz, die bei dem Automobil-Zulieferer in Bruchköbel für Personal-Entwicklung zuständig ist: „Für uns war wichtig, dass es menschlich passt.“

Wissbegierig, sorgfältig und schnell

Und natürlich spricht Hakimzad mittlerweile Deutsch. Schon in der Flüchtlingsunterkunft in Bad Vilbel, der er 2015 zugewiesen worden war, lernte er mit einer ehrenamtlichen Deutsch-Lehrerin Vokabeln und Grammatik. Sie war es auch, die ihm vom OQI-Programm im bbw erzählte. OQI steht für: Orientieren – Qualifizieren – Integrieren. Das Programm richtet sich an geflüchtete Menschen zwischen 18 und 27 Jahren, die erste Deutsch-Kenntnisse, aber keine anerkannte Berufsausbildung haben. Sie durchlaufen im bbw eine Berufsorientierung und absolvieren in den Werkstätten und Ausbildungsbetrieben des bbw verschiedene Praktika. Deutsch-Kurse und Kulturtraining gehören zu OQI dazu, und nach maximal 18 Monaten wechseln die Teilnehmer/innen in eine Ausbildung oder auf eine Arbeitsstelle.

Als Hakimzad in das OQI-Programm aufgenommen wurde, ging das Pauken erst richtig los: Acht Stunden Deutsch-Unterricht pro Tag standen in den ersten drei Monaten auf dem Programm. Im bbw merkte Hakimzad auch, dass ihm Büro-Arbeit am meisten liegt. „Das kaufmännische Wissen, das wir bekommen habe, hilft mir jetzt sehr“, erzählt er. „Außerdem haben wir bei OQI gelernt, was das duale System ist und wie man sich bewirbt. Das war wirklich wichtig für mich, denn in Afghanistan ruft man einfach bei einem Unternehmen an und fragt, ob man mal vorbeikommen kann.“

Ursprünglich hatte Hakimzad in Deutschland weiter Architektur studieren wollen. Aber das Lernen der Fachsprache hätte ihn noch mehr Zeit gekostet. So suchte er sich lieber ein neues Ziel und schaute dafür auf youtube viele Videos an, in denen Azubis von ihrer Ausbildung erzählen. Und sobald er das B1-Sprachzertifikat geschafft hatte, schrieb er Bewerbungen – bei SMG klappte es.

Als wissbegierig, sorgfältig und von schneller Auffassungsgabe beschreiben seine Vorgesetzten ihn, sie loben sein höfliches Auftreten. Hakimzad wundert sich manchmal über die Vorurteile, mit denen manche Deutsche jenseits der Firma ihm begegnen: „Viele denken, dass für mich hier alles neu und fremd ist. Aber ich habe in der Schule viel über Europa gelernt, ich habe viele Filme aus Europa und den USA gesehen. Und aus dem Büro, in dem ich in meiner Heimat gejobbt habe, kenne ich Kundenkontakt, Meetings und die Zusammenarbeit mit Frauen.“

Nur eine Hürde gibt es noch: die Sprachkenntnisse. Eine kleine allerdings, denn auch viele Kolleginnen und Kollegen von Hakimzad sprechen nicht fließend Deutsch. „Deshalb bieten wir bei SMG Deutsch-Kurse an“, sagt Elina Schulz gelassen, „und notfalls können wir immer auf Englisch ausweichen!“

 Texterstellung Frühjahr 2018: Eva Keller

Mehr Infos zum OQI-Projekt Orientiern-Qualifizieren-Integrieren

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