Endlich gut genug!

Jochen Grebe hat im bbw Selbstbewusstsein gewonnen

Portrait des erfolgreichen bbw-Absolventen Jochen Grebe in der Schreinerei "Feinschliff".

Im Portrait: bbw-Absolvent Jochen Grebe

Jochen Grebe hat bei einer Arbeitserprobung im bbw Südhessen (bbw) den Beruf des Schreiners für sich entdeckt – und ist nach erfolgreicher Lehre noch immer in dem Betrieb beschäftigt, in dem er seine Ausbildung in Kooperation mit dem bbw gemacht hat. Die Zeit im Berufsbildungswerk hat den jungen Mann aber nicht nur beruflich weiter gebracht. Er hat dort, wie er selbst sagt, „das Reden gelernt“.

Der beste Moment ist für Jochen Grebe immer die Montage. Wenn er die in der Schreinerei vorbereiteten Holzelemente vor Ort zusammenbaut, zum Beispiel die Garderobenschränke in einem Kindergarten. Wenn ihn die Aufregung, ob alles passt, kribbeln lässt. Und die Kunden sich dann freuen, wie gut die Arbeit gelungen ist. „Diese Anerkennung ist sehr  Dieses Zitat sagt viel aus über den 25-Jährigen, der im bbw Südhessen seine Ausbildung zum Schreiner gemacht hat. Zurückhaltend und bescheiden ist er, aber zugleich stolz auf seine Arbeit. Das war nicht immer so. Denn als Grebe 2012 ins bbw kam, haderte er mit sich und der Welt. Die Koch-Lehre hatte er geschmissen, mit den Nerven war er am Ende. Über Umwege erfuhr er vom bbw, und die Arbeitsagentur Marburg unterstützte seinen Wunsch, dort in eine Arbeitserprobung und anschließend in eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BVB) zu gehen.

Während dieser Monate in den verschiedenen Ausbildungsbereichen des bbw merkte Grebe schnell, dass ihm der Umgang mit Holz liegt: „Es ist ein lebendiger Werkstoff, anders als Metall. Holz ist angenehm zu verarbeiten – und so vielseitig.“ Mit dem Leben in der Wohngruppe auf dem bbw-Gelände tat er sich zunächst schwerer: Er ging den Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern aus dem Weg, kam nicht zum gemeinsamen Abendessen, rebellierte gegen das pädagogische Team. „Ich dachte: Die finden mich eh alle doof, so wie es schon früher in der Schule war. Also habe ich lieber die Zimmertüre hinter mir zu gemacht“, blickt Grebe zurück.

 

Positive Bestätigung und Unterstützung

 Aber die Erzieherin aus der Wohngruppe ließ nicht locker und der Bildungs-begleiter in der BVB hielt engen Kontakt zu Jochen Grebe. Psychologische Gespräche und Training sozialer Kompetenzen standen regelmäßig an. Die Ausbilder schätzten ihn für seine gute Arbeit – die ihm selbst anfangs aber nie gut genug war. Am Ende wirkten schließlich die positive Bestätigung und die Unterstützung: Der junge Mann begann eine Ausbildung zum Schreiner, genauer: eine sogenannte „Verzahnte Ausbildung von Berufsbildungswerken mit Betrieben“. Während der VAmB-Zeit besuchte er die Berufsschule auf dem bbw-Gelände, verbrachte einen großen Teil der Praxisphasen aber in der Schreinerei „Feinschliff“ im Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach.

Dort arbeitet er noch heute, ein Jahr nach dem Ende seiner Ausbildung – die er mit einem 2. Platz beim Schreiner-Wettbewerb „Die Gute Form“ krönen konnte. Sein Gesellenstück, ein Sitzmöbel, hatte die Jury beeindruckt. Sein Vertrag mit der Schreinerei Feinschliff ist befristet. Aber seine Chefin Kathrin Martin, die den Betrieb samt Grebe und drei weiteren Mitarbeitern erst im Sommer 2017 übernommen hat, sagt: „Ich bin rundum zufrieden mit Jochen. Deshalb habe ich ihm schon zugesagt, dass ich den Vertrag verlängern werde.“

Vorbei ist die Zeit, in der er vor lauter Magenkrämpfen nicht zur Arbeit gehen konnte, in der er sich selbst so unter Druck setzte. Auch da halfen die Ausbilder aus dem bbw: Sie warben beim damaligen Chef um Verständnis, bauten Grebe auf. „Seit 2012 ging es immer aufwärts“, zieht Jochen Grebe zufrieden Bilanz. Heute lebt er in einer eigenen Wohnung, in Rad-Weite von der Arbeit entfernt. Nach wie vor hat er gerne seine Ruhe. Aber: „Im bbw habe ich gelernt, mit anderen Leuten etwas zu unternehmen. Ich habe das Reden gelernt! Es war eine schöne Zeit.“

Texterstellung Herbst 2017: Eva Keller

 

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