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Gegen den Fachkräftemangel: Erste Pflege-Ausbildung für junge Menschen mit Förderbedarf in Hessen

Das Berufsbildungswerk Südhessen (bbw) hat mit Unterstützung von Ausbildungspartnern und Förderern wie der
JPMorgan Chase Foundation, dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und der Bundesagentur für Arbeit ein innovatives Ausbildungskonzept im Pflegebereich entwickelt.  Es bietet erstmals auch jungen Menschen mit Förderbedarf die Chance, eine auf ihre Bedürfnisse angepasste Ausbildung in der Altenpflegehilfe zu absolvieren. Eine Verzahnung von Hauswirtschaft und Altenpflege vermittelt ein breites Spektrum an Inhalten und Qualifikationen, so dass die modular aufgebaute Ausbildung sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt bietet. Der Pflegebereich gewinnt auf diese Weise dringend benötigte Fachkräfte.

Jungen Menschen mit Lernbehinderung, psychischer Erkrankung, Autismus und sozialer Benachteiligung die Chance zu geben, einen geeigneten Beruf zu ergreifen und ihnen so den Start in ein selbstständiges Leben zu ermöglichen – dafür steht das bbw Südhessen seit über 30 Jahren. Mit seinem neuen Ausbildungskonzept greift das bbw Südhessen jetzt ein gesellschaftlich relevantes Thema auf. Denn die demografische Entwicklung führt zu einem steigenden Bedarf an Betreuungskräften für pflegebedürftige Menschen. Aber schon jetzt bleiben immer mehr Stellen im Gesundheitswesen unbesetzt, weil geeignetes Personal fehlt. „Durch das neue Konzept können wir einer engagierten Nachwuchsgruppe eine Ausbildungsoption im Pflegebereich eröffnen, die hier bisher keinen Zugang hat“, so bbw-Ausbildungsleiter Ralf Heiß. „Damit erhalten die jungen Menschen mit Förderbedarf eine interessante Perspektive – und der Pflegebereich gewinnt hoch motivierte Fachkräfte.“

Im Mittelpunkt der neuen Ausbildung zum / zur „Fachpraktiker/-in Hauswirtschaft mit Zusatzqualifikation Altenpflegehelfer/-in“ steht die Betreuung und Versorgung älterer Menschen. Die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten werden sowohl theoretisch als auch praktisch vermittelt. Inhalte sind z.B. hauswirtschaftliche Dienstleistungen wie Herstellen und Anrichten von Speisen oder Raum- und Textilreinigung, grundpflegerische Kenntnisse wie Körperhygiene sowie die Themen Mobilität und Freizeitgestaltung. Das bbw Südhessen koordiniert die gesamte Maßnahme und ist gemeinsam mit der staatlichen Berufsschule für die Ausbildung in der Hauswirtschaft zuständig. Die staatlich anerkannte Altenpflegeschule Ortenberg (VDAB Schulungszentrum GmbH) und Einrichtungen der stationären Altenpflege übernehmen die Ausbildung im Bereich der Altenpflegehilfe. Unter der Aufsicht und Verantwortung einer Fachkraft sind die Absolvent/-innen dann später im Berufsalltag in der Lage, ältere Menschen qualifiziert zu betreuen und zu pflegen.

Dass dieses Konzept eine wichtige Lücke schließen kann, haben auch die Verantwortlichen der JPMorgan Chase Foundation erkannt. Deshalb haben sie sich entschlossen, das Vorhaben des Berufsbildungswerks zu unterstützen – und zwar nicht nur finanziell, sondern auch mit viel Engagement und aktiver Netzwerkarbeit. Das Projekt ist Teil der weltweiten „New Skills at Work“-Initiative, von J.P. Morgan, in deren Rahmen Strategien Identifiziert und Maßnahmen unterstützt werden, mit denen die Infrastruktur globaler Arbeitsmärkte und die Qualifizierung von Menschen für die Arbeitswelt verbessert werden sollen. „In unserer Stiftung möchten wir gezielt jungen Menschen neue Chancen für ihren Start ins Arbeitsleben eröffnen, die bisher nicht von einer privilegierten Förderung profitieren konnten“, erklärt Burkhard Kübel-Sorger, Vorstandsvorsitzender der J.P. Morgan AG in Frankfurt. „Dafür arbeiten wir mit Partnern wie dem bbw zusammen, die in der Lage sind, diese Zielgruppen professionell zu unterstützen.“

Ein prominent besetzter Beirat mit Vertreter/-innen aus Politik und Wirtschaft sowie Fachleuten aus der Pflegebranche und der Forschung begleitet die Entwicklung und Umsetzung des Modellprojektes. „Wir freuen uns sehr darüber, dass wir diese Fachexperten und Fachexpertinnen als Unterstützung gewinnen konnten. So können wir jungen benachteiligten Menschen den Zugang zu einer nachhaltigen, arbeitsmarktorientierten Ausbildung in der Altenpflege ermöglichen“, sagt bbw-Projektleiterin Dr. Sabine Tomm.


Ausbildungsgang
Fachpraktiker/-in Hauswirtschaft
mit Zusatzqualifikation Altenpflegehelfer/-in

Dauer
3 Jahre, Beginn: 08. August 2016

Voraussetzungen
Für diese Ausbildung muss der zuständige Leistungsträger (z. B. Agentur für Arbeit) überprüft haben, dass ein Anspruch auf eine berufliche Teilhabe nach dem Sozialgesetzbuch besteht.
Die Kosten für Ausbildung und/oder Wohnen werden in der Regel bei vorliegender Eignung vollständig vom Leistungsträger übernommen.

Abschluss
Nach erfolgreich bestandenen Prüfungen schließen die Absolvent/-innen mit zwei Berufsabschlüssen (Altenpflegehelfer/-in, Fachpraktiker/-in Hauswirtschaft) ab, die den Durchstieg in die Vollberufe Altenpfleger/-in bzw. Hauswirtschafter/-in ermöglichen.


Beirat für das Modellprojekt u.a.
• Tatjana Astachov – Schulleiterin Altenpflegeschule Ortenberg, VDAB Schulungszentrum GmbH
• Nicole Benthin – Referentin Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
• Peter Gudat – Reha-Experte der Regionaldirektion Hessen, Bundesagentur für Arbeit
• Ralf Heiß – Mitglied der Geschäftsleitung bbw Südhessen
• Burkhard Kübel-Sorger –  Vorstandsvorsitzender J.P. Morgan AG, Frankfurt
• Johannes Lüke – Schulleiter i.V. Staatliche Berufsschule Karben
• Saadet Sen – stellvertretende Fachbereichsleiterin Senior/-innen, Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bezirk Hessen-Süd e.V.
• Dr. Sabine Tomm – Projektleitung bbw Südhessen
• Dr. Christina Wessels – Dezernentin für Gesundheitsfachberufe, Regierungspräsidium Darmstadt

 

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