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Individuell und vielfältig

Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) und die damit verbundene Forderung nach Inklusion zielt darauf ab, eine Gesellschaft zu schaffen, die den individuellen Anforderungen aller Menschen gerecht wird. Mit einem konkreten Aktionsplan hat sich das Berufsbildungswerk Südhessen (bbw) nun auf den Weg gemacht, die UN-BRK für das eigene Haus umzusetzen. 2016 steht unter dem Motto „Individualität und Vielfalt“ – ganz unterschiedliche Aktionen wurden bereits realisiert.

Seit Sommer 2014 setzt sich die Arbeitsgruppe „AG Aktionsplan“ damit auseinander, wie das Berufsbildungswerk den Forderungen der UN-BRK im konkreten Arbeitsalltag gerecht werden kann. „Wir haben diesen Prozess ganz breit aufgesetzt“, erklären die beiden Leiterinnen der „AG Aktionsplan“, Ausbilderin Ulla Duchardt und Psychologin Lilli Pummer. „Beteiligt sind nicht nur die Mitarbeiter/-innen der Berufsschule und aller bbw-Bereiche – von der Ausbildung über pädagogische Begleitung bis hin zur Verwaltung –, sondern auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich im bbw Südhessen beruflich qualifizieren.“

Unterstützt wird die Arbeitsgruppe von externen Expertinnen und Experten. Denn mit dem Leitmotiv der „Inklusion“ – also der Anpassung des Systems an die Fähigkeiten und Bedürfnisse des einzelnen Menschen – ist ein grundlegender Wandel und Haltungswechsel verbunden. „Das geht nicht von allein. Wir setzen uns intensiv mit der Frage auseinander, wie sich unsere eigene Unternehmenskultur und unsere Strukturen wandeln müssen, damit sie diesem Selbstverständnis entsprechen“, erklärt bbw Abteilungsleiterin Carmen Bergmann.

Der Aktionsplan bearbeitet strukturiert vier Handlungsfelder: „Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit“, „Barrierefreiheit“, „Partizipation“ sowie aktuell in diesem Jahr „Individualität und Vielfalt“. „Acht Projekte wurden schon von den bbw-Mitarbeiter/-innen gemeinsam mit den Azubis umgesetzt – vom Workshop zur sexuellen Orientierung bis hin zur interdisziplinären Pflanzaktion –, und mindestens fünf weitere sind noch geplant “, freut sich Lilli Pummer. Und Ulla Duchardt ergänzt: „Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen: Für eine transidente* Teilnehmende war beispielsweise weder die männliche noch die weiblichen Umkleide wirklich passend – deshalb wurde eine separate Garderobe eingerichtet.“

Für das bbw Südhessen als Unternehmen und seine Mitarbeiter/-innen bedeutet diese Entwicklung, sich immer wieder neuen und veränderten An- und Herausforderungen zu stellen. So, erläutert Carmen Bergmann, sei es auch in den bbw-Leitzielen verankert: „Die UN Konvention und das sich daraus ergebende Ziel Inklusion ist für unser Unternehmen eine permanente Herausforderung und Verpflichtung nach innen. Zugleich ist es aber auch die Erwartung an Politik, Auftraggeber, Wirtschaft und Gesellschaft, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.“ (Auszug aus den bbw-Leitzielen)

*Transident beschreibt das Empfinden von Menschen, die körperlich entweder dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht angehören, sich jedoch als Angehörige des anderen Geschlechts empfinden.

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