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Eine gemeinsame Sprache sprechen

2 Azubis beim Telefontraining

Ein Jahr Förderplanung mit ICF: „International Classification of Functioning, Disability and Health“

Meinen eine Psychologin und ein Pädagoge eigentlich dasselbe, wenn sie von Belastbarkeit sprechen? Das international gültige Modell der „ICF“ erfasst den Gesundheitszustand einer Person in einer einheitlichen, klar definierten Sprache – und berücksichtigt dabei nicht nur medizinische und psychologische, sondern auch soziale Faktoren. Bei seiner Förderplanung arbeitet das bbw Südhessen seit einem Jahr mit diesem Modell – ein echter Gewinn für die Auszubildenden und Reha-Teams.

„Der große Vorteil der von der WHO (World Health Organization) konzipierten ICF ist die einheitliche Sprache –  so können Missverständnisse vermieden werden, wenn unsere Fachkräfte von den Fähigkeiten und Förderbedarfen der jungen Erwachsenen sprechen“, betont Lilli Pummer, Diplom-Psychologin und Leiterin der „Arbeitsgruppe ICF“. Außerdem wichtig: Das „bio-psycho-soziale Modell“ bezieht bei der Betrachtung eines Menschen als erstes System auch Umweltfaktoren mit ein. Es ist relevant, wie und wo eine Person wohnt, wie die finanzielle Situation aussieht und welche unterstützenden Systeme genutzt werden können. Ein praktisches Beispiel: Wohnt ein junger Mensch mit Förderbedarf und ohne Führerschein auf dem Land, dann ist das Vorhandensein eines öffentlichen Verkehrsnetzes ein wichtiger Faktor für die Ausbildungszeit und das spätere Berufsleben.

Die ICF erfasst sämtliche Auswirkungen eines gesundheitlichen Problems auf die Körperfunktionen einer Person, aber auch auf ihre Aktivitäten oder ihre Teilhabe an der Gesellschaft. Dann wird geschaut: Was sind Barrieren im Leben des Jugendlichen und was sind positive, befördernde Bedingungen? Weiterhin bleiben die Wechselwirkungen im Blick: Verändert sich an einer Stelle im System etwas, hat das Auswirkungen auf andere Elemente. Als „funktional gesund“ gilt ein Mensch laut ICF und stark verkürzt gesagt, wenn er aktiv im Leben steht und an allen Bereichen, die ihm wichtig sind, partizipieren kann.

Mit jedem jungen Menschen, der im bbw Südhessen eine berufsvorbereitende Maßnahme oder Ausbildung absolviert, erstellen die Expertinnen und Experten vor Ort gemeinsam einen Förderplan auf Grundlage der ICF. Wo liegen seine Stärken? An welchen Stellen braucht er noch Unterstützung? Die Messlatte für jeden Förderplan: eigenverantwortlich und selbstbewusst im Leben stehen zu können. „Wir wollen, dass die Ausbildung für jeden Jugendlichen im bbw so optimal wie möglich abläuft – ICF bringt uns ein gutes Stück voran“, freut sich Psychologin Pummer.

 

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