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Gelebte Vielfalt

Azubigruppe hält bunte Tafeln mit Buchstaben hoch, die zusammen den Begriff "Diversity" ergeben

„Auf die Haltung kommt es an! Vielfalt als Stärke“ war der Titel der Fachtagung am 19.11.2015 im bbw Südhessen – und es blieb nicht bei der Theorie. Junge Menschen aus fast allen Ausbildungsbereichen des Berufsbildungswerks haben durch die selbstverantwortliche Organisation der Tagung und durch ihre kulturellen Beiträge zum Programm gezeigt, was sie können – einzeln und im Team.

Wie schaffen wir eine Arbeitswelt, in der jede und jeder seine Stärken zur Geltung bringen kann: der Flüchtling aus Afrika ebenso wie die junge Frau mit Autismus oder der Jugendliche im Rollstuhl? Welche Chancen stecken überhaupt in dieser Vielfalt? Und welche Fallstricke gibt es? Über Fragen wie diese diskutierten die rund 200 Tagungsgäste, die von Unternehmen und Verbänden, Arbeitsagenturen und Job-Centern, Berufsbildungswerken und Berufsschulen kamen. Auch interessierten Jugendlichen stand die Tagung offen.

Während Vorträge am Vormittag in die Grundbegriffe des Themas einführten – Inklusion, Diversity, Empowerment – war der Nachmittag mit seinen zehn Workshops stark praxisbezogen: So setzten sich manche Tagungsgäste im „Anti-Bias-Training“ mit ihren eigenen Vorurteilen auseinander. Andere machten sich im Hip-Hop-Workshop daran, die eigenen Gefühle in Reimen auszudrücken. Und wieder andere informierten sich in einer Runde mit Unternehmern, warum für diese Diversity (also Vielfalt) in der Mitarbeiterschaft so wichtig ist.

Zum Beispiel der Frankfurter Verband, der 1.500 Menschen beschäftigt und der größte Träger sozialer Einrichtungen in der Stadt ist. Zum einen braucht der Verband Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit interkultureller Kompetenz, weil viele seiner Kundinnen und Kunden nicht-deutscher Herkunft sind. Zum anderen musste sich der Verband, um seinen Bedarf an Personalbedarf zu decken, auch für Menschen öffnen, die noch nicht alle erforderlichen Kenntnisse mitbringen. Die Qualifikation geschieht dann „on the job“. „Wir wollten diese Vielfalt, und vermitteln sie auch in unserer Mitarbeiterschaft als Wert“, sagt Frédéric Lauscher, Geschäftsführer des Frankfurter Verbands. 

Die strukturellen Voraussetzungen für Vielfalt zu schaffen, sind also das eine, weiß auch Renée Eve Seehof, Geschäftsführerin des bbw Südhessen, aus Erfahrung. Genauso aber komme es auf die Haltung an, wie auch der Tagungstitel deutlich macht. „Vielfalt ist zwar alltägliche Realität. Doch sie wird nicht automatisch als Vorteil erlebt und wertgeschätzt“, so Seehof.

Erfahrung mit Ausgrenzung und Geringschätzung haben auch einige bbw-Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemacht. Das ließen ihre Gedichte beim Poetry Slam als auch die Musik-Beiträge erahnen, mit denen die Jugendlichen die Vielfalt an Themen und Formen auf der Fachtagung weiter bereichert haben. Gleichzeitig bewiesen sie mit ihren Auftritten, welche Stärken man entwickeln kann, wenn man Unterstützung erfährt. Genauso wie die bbw-Auszubildenden aus dem kaufmännischen Bereich, die die Tagung organisiert haben – von der Abwicklung der Anmeldungen über die Erstellung der Tagungsunterlagen bis zur Betreuung der Veranstaltung selbst. Und natürlich die Köche und Floristen hinter den Kulissen.

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