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Pflege-Ausbildung konkret: Wie sich Altsein anfühlt

Ab sofort können die Auszubildenden im Altenpflegebereich des Berufsbildungswerks Südhessen durch einen „Alterssimulationsanzug“ selbst erleben, wie ältere Menschen sich fühlen, wenn beispielsweise die Beweglichkeit nachlässt oder die Augen nicht mehr richtig mitmachen. So werden den zukünftigen Fachkräften praxisnah wichtige Ausbildungsinhalte und ein besseres Verständnis für ihre Klienten vermittelt. Bei der bbw-Ausbildung handelt es sich um die erste Pflege-Ausbildung für junge Menschen mit Förderbedarf in Hessen. Für das nächste Ausbildungsjahr sind noch Plätze frei.

Im Mittelpunkt der Ausbildung zum / zur „Fachpraktiker/-in Hauswirtschaft mit Zusatzqualifikation Altenpflegehelfer/-in“, die 2016 als Modellprojekt im Berufsbildungswerk Südhessen (bbw) erfolgreich gestartet ist, steht die Betreuung und Versorgung älterer Menschen. Um sie besser zu verstehen und ihre Einschränkungen und Probleme erlebbar zu machen, haben die Teilnehmer/-innen der aktuellen Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) Hauswirtschaft einen „Alterssimulationsanzug“ entwickelt. Denn bereits in der Berufsvorbereitung und auch in der hauswirtschaftlichen Ausbildung sind ältere Menschen eine wichtige Zielgruppe.

Mit einer selbstgenähten Weste voller Sandsäckchen, Gewichten an den Gelenken, einer Brille mit Seheinschränkung, wattierten Hand- und Überschuhen und einem Hörschutz wird die Einschränkung der Beweglichkeit, Verlust des Gleichgewichtes und Gangsicherheit, Sicht- und Höreinschränkung, Kraftverlust oder Einschränkung der Feinmotorik simuliert. So ausgestattet durchlaufen die Azubis einen „Erlebnisparcours“. Dabei erfahren sie, wie schwierig das Aufstehen aus einem niedrigen Sessel sein kann, welche Probleme es bereitet, eine Jacke zuzuknöpfen oder Zeitung zu lesen. „Es geht darum, den Azubis einen Perspektivwechsel zu ermöglichen und so mehr Verständnis und Geduld für die pflegebedürftigen Menschen zu erzeugen“, erläutert Projektleiterin Dr. Sabine Tomm.

Die bbw-Pflegeausbildung bietet erstmals jungen Menschen mit Förderbedarf die Chance, eine auf ihre Bedürfnisse angepasste Ausbildung in der Altenpflegehilfe zu absolvieren. Die Besonderheit ist die enge Verzahnung mit einer hauswirtschaftlichen Ausbildung, die den Absolvent/-innen noch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet. „Durch die neue Ausbildung können wir einer engagierten Nachwuchsgruppe eine Ausbildungsoption im Pflegebereich eröffnen, die hier bisher keinen Zugang hatte“, so bbw-Ausbildungsleiter Ralf Heiß. „Damit erhalten die jungen Menschen mit Förderbedarf eine interessante Perspektive – und der Pflegebereich gewinnt hoch motivierte Fachkräfte.“

Möglich wurde die innovative bbw-Ausbildung durch die Unterstützung von Förderern wie dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, der Bundesagentur für Arbeit und der JPMorgan Chase Foundation sowie Unterstützern wie der Reiniger AG. Ausbildungspartner des bbw sind die staatlich anerkannte Altenpflegeschule Ortenberg (VDAB Schulungszentrum GmbH), die staatliche Berufsschule Karben und Einrichtungen der stationären Altenpflege, die die praktische Ausbildung im Bereich der Altenpflegehilfe übernehmen.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Ausbildung unserer Pilotgruppe“, sagt Dr. Sabine Tomm „und bereiten den zweiten Jahrgang vor, der im Sommer 2017 starten wird. Interessenten können sich gern melden.“  Voraussetzung für die Ausbildung ist, dass der zuständige Leistungsträger wie die Agentur für Arbeit überprüft hat, dass ein Anspruch auf eine berufliche Teilhabe nach dem Sozialgesetzbuch besteht. Dann werden die Kosten für die Ausbildung in der Regel bei vorliegender Eignung vollständig vom Leistungsträger übernommen.

Ansprechpartnerin für die Pflege-Ausbildung im bbw:
Dr. Sabine Tomm, Tel.: 06039 / 482-631,
E-Mail:sabine.tomm@bbw-suedhessen.de

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