Presse

Schreibwerkstatt gegen Politikverdrossenheit

Im Rahmen einer politischen Literaturwerkstatt mit der Autorin Mirijam Günter konnten die Auszubildenden des Berufsbildungswerks Südhessen ihr Politikverständnis reflektieren und ihre Meinung kreativ ausdrücken. Dabei war auch eine Fragerunde mit dem Wetterauer Politiker Helmut Betschel ein wichtiger Bestandteil – als praktische Übung in politischer Diskussionskultur.

„Was glauben Sie, wie man Jugendliche für Politik begeistern kann?“ oder „Bereuen Sie es manchmal, in die Politik gegangen zu sein?“ waren nur einige der vielen Fragen, denen sich Helmut Betschel stellen musste. Die Jugendlichen interessierten sich aber auch für seine Lieblingsmusik oder für seinen Kaffeekonsum. Er hat alle Fragen offen beantwortet – auch die Frage danach, welche Ziele ihm besonders wichtig sind: „Ich will verhindern, dass Menschen nach rechts abrutschen – dafür kämpfe ich schon immer“, betont Betschel. „Und ich finde, dass Reichtum zu ungleich verteilt ist – hier arbeite ich dafür, dass es einen Ausgleich gibt und sozial Schwächere unterstützt werden.“ Durch den offenen Austausch konnten die bbw-Azubis – oft zum ersten Mal – unmittelbare Einblicke in die politische Praxis gewinnen

„Das Ziel meiner politischen Literaturwerkstätten ist es, junge Menschen kreativ an gesellschaftlich und politisch relevante Themen heranzuführen“, erklärt die Autorin Mirijam Günter. „Den Jugendlichen soll die Erfahrung vermittelt werden, dass sie sich artikulieren und ihre Interessen vertreten können.“ Die Teilnehmenden der Workshops werden motiviert, miteinander zu diskutieren und ihre Meinung auch schriftlich auszudrücken. In Schreibübungen wird zusammengetragen, wofür sich jede/r politisch engagieren würde oder was Politik bedeutet. Mirijam Günters eigener Werdegang und ihre Erfahrungen helfen ihr dabei, auch Jugendliche zu erreichen, die mit gängigen Angeboten kaum angesprochen werden. In ihrer Jugend hat sie einige Ausbildungen abgebrochen und schließlich im Schreiben ihre Berufung gefunden. Sie trifft genau die Sprache der Jugendlichen und findet Kontakt zu ihnen. Daher hat die Autorin bereits mehrfach erfolgreich Schreibworkshops mit Jugendlichen aus dem bbw durchgeführt.

Neu war bei diesem Workshop die politische Ausrichtung. „Gerade in einer Zeit, in der oft nicht sehr sachlich über Themen wie Terrorgefahren oder Rechtspopulismus diskutiert wird, wollen wir unsere Auszubildenden ermutigen, sich differenziert mit Politik auseinanderzusetzen, Dinge zu hinterfragen und die eigene Meinung auszudrücken“, erklärt die zuständige bbw-Freizeitpädagogin Heike Englisch. „Eine Schreibwerkstatt bietet dafür die ideale Möglichkeit, sich auch spielerisch Themen anzunähern. Es ist uns sehr wichtig, unseren Azubis immer wieder neue Impulse zu geben.“

Der Workshop wurde gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

go back